Aus Tobi´s Sicht

Kommentare zum Leben

Die Vichara-Diskussion mit Tobias

Ich überlege ja immer wieder, abgesehen davon, dass meine Internetverbindung zurzeit lausig ist (und die Verfügbarkeit über einen Internetzugang während der Zeiten in denen ich arbeite sehr beschränkt) an einem neuen Projekt für meinem Blog. Wer mich kennt, weiß auch, dass ich darin immer mal wieder etwas probiere, und mir erst in diesem Versuch (unter anderem an den Reaktionen der Leser) darüber klarer werde, ob der eingeschlagene Weg “Sinn macht”, oder auch nicht.

Carla und John Sherman haben ein neues Projekt gestartet, das sie “The Vichara Conversation” nennen, und auf das sei an dieser Stelle gerne hingewiesen (www.riverganga.org) - denn ich denke, dass es mein eigenes kleines Projekt hier sehr gut ergänzt.

Das Thema dieses Gesprächs ist der “trans personale Aspekt unseres Daseins” in unserem Erleben von Leben - das über das so genannten “persönlichen Bewusstsein” hinausgehende.

Realität (einfach: “was ist”) erlebt sich im Gegenüber zu sich selbst (Welt, auch einfach: “was ist”) als Persönlichkeit (”was ich bin”) – das nenne ich jetzt hier einfach einmal “persönliches Bewusstsein”, um diesen Begriff etwas zu umschreiben.

Die Diskussion beginnt immer wieder bei “Null”, was nichts anderes heißt, als dass in diesem Gespräch (sofern eines entsteht) die Grundlage der Diskussion die direkte eigene Erfahrung von Leben ist – die direkte Schau (sinnliche Wahrnehmung) des eigenen Lebens.

Die Diskussion ist somit selbst schon “Vichara”, also Schau. Ich stelle quasi einfach einmal alles beiseite, was ich zu diesem meinem Leben weiß, und schaue es mir direkt an. Das Thema bin ich also selbst: wie einem Forscher gleich, der etwas herausfinden will, und nicht weiß ob er sich dabei auf das bestehende Wissen verlassen kann, oder ob er es nicht vollständig in Frage stellen muss.

Was ihm bei dieser Überprüfung bleibt, ist selbst zu schauen, immer wieder selbst zu versuchen in unmittelbaren Kontakt mit “seinem Leben” zu treten, ein Versuch, selbst zu sehen, ob all das wahr ist (oder wirklich so stichhaltig) was wir über uns selbst wissen – was Stand des Wissens über uns ist.

Vichara ist die Erforschung der eigenen Persönlichkeit. Sie unterscheidet sich von der wissenschaftlichen Betrachtungsweise, die sich auf Erscheinung beschränkt, und das Subjekt abzieht, (also in einen neutralen Raum stellt) vollständig -  in der Weise, dass sie sich dem Subjekt zuwendet, und das Objekt erst einmal “abzieht” (also Welt in einen subjektiven Raum stellt).

Vichara ist also ein Blick in genau die entgegen gesetzte Richtung - dessen, was wir als wissenschaftliche Betrachtungsweise kennen oder definieren.

Vichara stellt sich nicht über diese wissenschaftliche Betrachtungsweise, indem sie sie als “falsch” bezeichnen würde, oder all die wissenschaftlichen Erkenntnisse als falsch.

Vichara ergänzt diese Schau auf die Objekte, indem sie sich der Grundlage für diese Schau zuwendet, dem Subjekt, mich selbst in meinem direkten Erleben – der Grenze jeglicher Schau: dem was “schaut” - und damit dem, durch das überhaupt so etwas besteht, das wir vage als “Realität” umschreiben: Existenz, Sein, Dasein, Leben: “es ist”.

Vichara schaut sich das an, was wirklich ist, im anderen Aspekt zur Naturwissenschaft: mir selbst. Und darin zählt dann nur meine unmittelbare eigene “Ichigkeit”, als dem, dem ich meine Aufmerksamkeit zuwende: “Kann ich nicht sehen, wer ich eigentlich bin? Wer(was) ist eigentlich der(das), der(das) dieses Leben erlebt? Wer bin ICH eigentlich? Ich, in der direkten Betrachtung von mir selbst, so wie ich es SELBST wahrnehme? – völlig unabhängig von all diesen Erklärungen, von all unserem Wissen.

Die Vichara-Diskussion hat kein anderes Objekt, als das Subjekt selbst: Es gilt hier keine Erklärung. Die Diskussion ist immer wieder neu: die Antwort in der direkten Betrachtung meiner selbst: ganz subjektiv, ganz hier bei mir, in der eigenen Betrachtung – in diesem Versuch selbst zu überprüfen: Was bin ich?

Sie ist daher an nichts gebunden. Keine einzige, weder wissenschaftliche noch spirituelle Wahrheit ist darin eine Grundlage.  Jeder beginnt immer wieder neu, in der direkten Betrachtung seiner selbst, stellt eventuell erkanntes wieder in Frage – und schaut noch einmal nach. Wie ein Forscher, dem die eine oder andere Erklärung erscheint, aber er sich nicht sicher ist (obwohl sie vielleicht sehr plausibel ist), ob “das was ist” ihr wirklich genügt.

Vichara ist eine Forschungsreise, in dieser Aufmerksamkeit eines Wissenschaftlers, der neues herausfinden will. Dabei ist ihm zwar sein Wissen die Grundlage, aber auch irgendwo ein Hindernis. ein Hindernis, da es auch einen festen Rahmen bildet, eine Betrachtungsweise, die gerne ausfiltert, was ihr widerspricht.

Aber alle mussten sie diese Barriere durchbrechen, in der eigenen Untersuchung, gelang es ihnen eine noch treffendere Basis zu finden unsere Welt zu beschreiben.

Vichara versucht das in gleicher Weise, in der “entgegen gesetzten Richtung”, und erfordert dieselbe Aufmerksamkeit – sich selbst gegenüber – die der Forscher aufwendet, um etwas neues über diese Welt herauszufinden.

Und das Objekt der Betrachtung bin ich selbst. Und das hat einen entscheidenden Vorteil zu jedem anderen Objekt: es ist immer verfügbar, denn wenn ich es selber bin, dann bin ich ja immer dort, wo ich gerade bin. Es gibt kein dankbareres Objekt der Untersuchung, denn ich kann mir selbst nicht davonlaufen – sonst wäre es nicht ich.

Und dieser Vorteil erlaubt es mir auch, mich jederzeit immer wieder vollständig neu zu betrachten: denn ich bin immer bei mir, und immer vollständig das “was ich gerade bin”.

Die hier angeregte Diskussion ist also selbst: Vichara …

Vichara kennt nur eine Richtung der Aufmerksamkeit: mich selbst.

Was darin an Erklärungen über mich selbst erscheinen mag, mag erscheinen – ich hinterfrage es aber darin, indem ich selbst schaue: entspricht es der direkten Erfahrung über mich selbst? Ist das so richtig oder wahr, was ich über mich selbst weiß, was mir erzählt wurde?

Vichara kennt nur ein Kriterium: die unmittelbar von mir erfahrene Weise, in der ich bin.

Vichara ist gleichsam hierin eine Emanzipation gegenüber allen Ideen, indem sie die Realität des eigenen Seins in den Mittelpunkt der Betrachtung stellt, als das einzige Kriterium der Betrachtung: “wie ist es wirklich?”

Ich erlebe es ja ständig, ich erlebe mich ständig. wie sollte ich mich selbst dabei nicht betrachten können?

Das Kriterium meiner Betrachtung ist dieses “was ich bin”, was in jeder Situation gegenwärtig war und ist. Die eigene Selbsterfahrung, die mit allem ist, was als “körperlicher Wandel”, als “Wandel der Persönlichkeit”, und als “Wandel meiner Ansichten und Meinungen” in meiner eigenen Gegenwart in Bewegung ist – aber nie: OHNE mich.

Und es ist ersichtlich, dass die Vichara hinterfragt, ob diese Meinungen und Ansichten, die ich über mich hege, richtig sind. Und dieses Hinterfragen geschieht, ganz offensichtlich, indem ich mich mir selbst anschaue: “Ist das alles wirklich so, wie ich meine? Unterliege ich vielleicht einem Irrtum über mich selbst?

Viel Spaß


Hm

Ich hatte mich entschlossen, die Beiträge im “neuen Blog” wieder zu löschen, denn eigentlich bin ich ein ganz gewöhnlicher Mensch - und ich frage mich dann, ob es so sinnvoll ist, überhaupt über solche Dinge zu schreiben, oder ob man nicht eher im ganz normalen Leben Nachteile daraus zieht, wird das zu sehr publik. Auch […]

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