war heute auf einer Feier eingeladen, und als ich nach Hause kam, las ich seit langem mal wieder in meinem letzten verbliebenen Ramana-Buch “Sei, was du bist”. Gespräche mit Ramana Maharshi, die von David Godman herausgegeben wurden. Schön ist, wie er die Gespräche sortiert hat, so dass die Kernaussagen zum Selbst und zur Selbsterkenntnis in den ersten Kapiteln stehen, und die nebensächlichen Dinge in eigenen Kapiteln aufgeführt sind.
Die Präzession, in der Ramana über das Selbst spricht hat mich wirklich erstaunt. Hat man so lange nicht mehr Ramana gelesen, und liest ihn nun, frägt man sich, wie man das nicht sehen konnte, was er da sagt, ist es doch einfach und klar beschrieben, ja, wortwörtlich. Eigentlich unmöglich missverstanden zu werden. Seltsam, was man in Aussagen hinein interpretiert, in die es eigentlich gar nichts wirklich hinein zu interpretieren gibt, da sie wortwörtlich das sagen, was sie meinen. Und dann wird man etwas nachdenklich, wie es einem wohl mit anderen geschriebenen Worten so ergeht. Egal wie klar der Schreiber es ausdrückt, was der Leser darin sieht, kann etwas vollkommen anderes sein. Und das ist eben eine der “Gefahren” der Sprache. Sie muss im Leser eine Resonanz erzeugen, die dem entspricht, was der Schreiber “in die Worte tat”. Und in dieser Hinsicht ist man zu einem großen Teil hilflos. Der bestgemeinte Text nutzt nichts, ist diese Resonanz nicht da, dieses Wiederfinden eigenen Erlebens in dem was der Schreiber als eigenes Erleben mitzuteilen versucht.
Und ich schreibe heute einmal einen einzigen Satz:
Was du bist, braucht nicht beschrieben zu werden, da es deine eigene, unmittelbare Erfahrung deiner Selbst ist, in diesem Augenblick, unabhängig dieser meiner Worte, und unabhängig aller anderen Inhalte.
Und achtet man selbst darauf, auf das was mit jeder Erfahrung ist, die man selbst macht, wer sollte das sein, als man selbst?
Nun sind wirklich all diese Erwartungen “wie sich das anzufühlen hat, was ist” ein großes (scheinbares) Hindernis. Man stellt Bedingungen an sich selbst, die man sich selbst nicht erfüllen kann. Selbst jetzt falle auch ich immer mal wieder darauf herein, besonders sind starke Gefühle der Traurigkeit. Aber tatsächlich erscheinen sie, wie Worte erscheinen, Dinge erscheinen, und wieder gehen.
Nur reicht es völlig aus, sich immer wieder der eigenen Präsenz zu vergewissern, die immer ist, ist man, da man sie ja ist, um mit der Zeit für sich selbst zu erkennen, dass sie völlig unabhängig ist, von den Dingen, die da kommen und gehen, an Erlebnis des Lebens dieses Körpers. In der Vielfalt ist man wie ein sich ständig wandelndes Wesen, eine Identität ohne wirklich feste Gestalt, an der sich einiges schneller, und anderes weniger schnell verändert.
Aber sucht man die eigene Permanenz im Wandel, ist das Leid. Leid aufgrund einer Verwechslung. Man verwechselt sich selbst, in der eigenen permanenten Präsenz, mit dem sich ständig verändernden Aspekt des eigenen Wesens, der sich permanent wandelt. Und diese Verwechslung geschieht, da man sich selbst auf ihn, diesen sich wandelnden Aspekt (Leben) beschränkt hat, und sich selbst, in der eigenen permanenten Natur übersieht. Ja, es ist nur ein “Übersehen”. Man ist sich auch dieser eigenen permanenten Natur ständig bewusst.
Und durch dieses sich Vergewissern, ich bin mit jeder Erfahrung, und unabhängig davon, wie sie aussehen mag, findet dieses “Übersehen des permanent gleichen Aspektes des eigenen Seins” mit der Zeit ein Ende.
tobias